Mo 14.05.2018 | 07:55 | Kultur
Kann auch weniger traurig: Scott Matthew

Scott Matthew kommt aus Australien und macht Lieder über alle erdenklichen Abgründe einer liebenden Seele. Seiner Seele. Fünf Alben lang hat er sich und seinen Herzschmerz auf tiefe, mitreißende Weise besungen. Doch jetzt, mit der sechsten Platte, hat er sich anderen Themen zugewandt. Am Sonntag war Scott Matthew mit seinem neuen Material im Heimathafen Neukölln zu sehen. Hendrik Schröder  war dort.

Der Anfang ist komisch. Da sitzt dieser Typ, der seit Jahren seine Zuhörer zu Tränen rühren kann, im dunklen Anzug, lässig auf einem Barhocker, Vollbart, drei Musiker links und rechts neben sich, Gitarre in der Hand, da sitzt der Herzschmerz-Barde Scott Matthew also und macht seltsame Witze. Und lacht dann immer so abrupt. Ist dies Lachen ein Tick, ist das Unsicherheit? Man rätselt.

Musikalisch holpriger Start

Auch musikalisch geht es holprig los. Beim ersten Song ist die Stimme manchmal nur ein Krächzen, kippt immer wieder ab. Was ist denn los mit mir, sagt Scott Matthew und lacht wieder dieses irritierende Lachen. Die Ansagen sind fast infantil. À la: Hey, wir haben hier einen ganz tollen, großen Song geschrieben. Witzig gemeint, kommt aber strange rüber.

Die Stimme fängt sich dann aber, zwischen den Songs trinkt Scott Matthew große Schlucke Rotwein und beruhigt sich anscheinend und dann langsam, langsam wird das Konzert richtig gut. Der ist ja viel besser als im Internet, flüstert ein Besucher seiner Begleitung zu. Und auch wenn der Gesang immer wieder ziemlich schief klingt, was eher auf den Bühnensound als auf die Qualitäten Matthews zurückzuführen ist, der zitierte Besucher hat recht.

Auch sein neues Album ist till

Die Instrumentierung ist sparsam, warm, ein bisschen E-Piano, ein bisschen Kontrabass, zwischendurch kommen Bläser und eine Sängerin dazu. Die Dynamik bleibt meist unten, es passt, dass der anständig gefüllte Heimathafen an diesem Abend bestuhlt ist. Matthew quatscht zwar weiter Unsinn zwischen den Songs, aber langsam gewöhnt man sich dran und findet den bärigen Typen doch ganz schön sympathisch. Wie er seinen Mitmusikern entschuldigend die Hand gibt, wie er pathetische Dankesreden auf seinen Manager hält und den Pathos abrupt mit einem zynischen Witz und wieder diesem Lachen beerdigt.

Und toll ist auch sein neues Album, auch wenn die alten Songs besser ankommen. Auf "Ode to Another" singt Scott Matthew ausschließlich Oden an andere Menschen, seinen Vater, seinen Onkel, fiktive Personen. Er habe es so satt gehabt, immer nur über seinen Schmerz zu singen, alle würden denken, er sei immer traurig, dabei sei er doch ein fröhlicher Mensch, sagt er in einer erklärenden Ansage zu den neuen Liedern. Und genau so sieht er am Ende des Abends auch aus.